Wirtschaft 03/2012

Klimawandel - Strategien für den Klimawandel

Längst noch nicht alle Unternehmer beschäftigen sich intensiv genug mit den Auswirkungen des Klimawandels. Ein bayernweites Projekt schafft Abhilfe und unterstützt Unternehmen dabei, konkrete Strategien und Maßnahmen zu entwickeln.

 

Am letzten Novemberwochenende sollte es steigen, das Schneefest 2011, die offizielle Eröffnung der Skisaison auf der Zugspitze. Mangels Schnee musste das Event jedoch abgesagt werden. „Das ist bisher noch nie vorgekommen“, sagt Matthias Stauch, kaufmännischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG. Auch der Einsatz von Schneekanonen hätte angesichts des außergewöhnlich trockenen und warmen Wetters im November 2011 nichts geholfen - der Klimawandel lässt grüßen. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Klimawandel längst Fakt, und auch Bayern ist davon betroffen“, warnt Veronika Sepp, Umweltexpertin bei der IHK für München und Oberbayern. „Die mittlere Jahrestemperatur im Alpenraum hat sich in den vergangenen einhundert Jahren doppelt so stark erhöht wie im globalen Durchschnitt.“ Die steigenden Temperaturen werden mit dafür sorgen, dass unser Wetter auch in Zukunft verrückt spielen wird. Selbst wenn die Berechnungen und Szenarien der Klimaforscher zu unterschiedlichen Detailergebnissen kommen, der Trend steht fest: In Bayern werden Hitze- und Dürreperioden zunehmen, Luft- und Wassertemperaturen steigen, die Schneesicherheit wird abnehmen.

Unternehmenslenker stehen nun vor der Herausforderung, ihre Strategien und Planungen an den Klimawandel anzupassen. „Dabei geht es nicht allein um die klassischen Themen wie Energieeffizienz und Rohstoffeinsparungen, sondern um konkrete Maßnahmen, wie jedes einzelne Unternehmen mit den Risiken, aber auch den Chancen, die der Klimawandel mit sich bringt, umgeht“, erklärt Sepp. Werden unsere Gebäude und die betriebliche Infrastruktur selbst extremen, aber nicht mehr unwahrscheinlichen Wetterphänomenen Stand halten? Wie wirkt es sich auf unsere Prozesse aus, wenn das Wasser knapp wird? Wie können wir Versorgungsengpässe bei Energie und Materialien verhindern und innerhalb unserer Lieferketten für Stabilität sorgen? Welche Möglichkeiten für neue Produkte oder Dienstleistungen ergeben sich? Wie wird der Klimawandel das Konsum- und Freizeitverhalten unserer Kunden beeinflussen? Mit Fragen dieser Art sollten sich Entscheider relativ bald beschäftigen, um auf Unternehmensebene die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

In den meisten Unternehmen finden konkrete Auseinandersetzungen mit den Auswirkungen des Klimawandels jedoch kaum statt, wie die Studie „Anpassungen an den Klimawandel“ belegt, für die mehr als 1.000 oberbayerische Unternehmen befragt wurden. Lediglich ein Fünftel der Unternehmen reagiert im Bereich Material und Rohstoffe oder beim Produktportfolio mit neuen Strategien auf den Klimawandel. Im Energiebereich sind es immerhin knapp 31 Prozent. Und 16 Prozent wollen ihren Versicherungsschutz erhöhen. Die wichtigsten Punkte, die als Reaktionen auf den Klimawandel genannt wurden, waren jedoch das „Beobachten politischer und klimatischer Rahmenbedingungen“.

Zugegeben, die Untersuchung, die vom bifa Umweltinstitut im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit (StMUG) und der IHK für München und Oberbayern durchgeführt wurde, stammt aus dem Jahr 2009. „Doch seither hat sich die Haltung der meisten Unternehmen in Sachen Klimawandel nicht deutlich verändert“, stellt IHK-Expertin Sepp fest. „Die meisten warten nach wie vor ab, was passiert.“

Hier setzt das Projekt „Klimafolgen und Anpassungsstrategien“ an, das gemeinsam vom StMUG und dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) getragen wird. Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es, den Unternehmen solide Informationen und Planungsgrundlagen zu den Auswirkungen des Klimawandels zur Verfügung zu stellen, indem wissenschaftliche Erkenntnisse praxisgerecht und verständlich aufbereitet werden. Zudem werden Unternehmen dabei unterstützt, zu analysieren, welche Auswirkungen der Klimawandel auf sie hat und mit welchen Strategien und Maßnahmen sie ihm begegnen können. Für die Branchen Energie, Verkehr und Tourismus, die von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark betroffen sind, entwickelten Unternehmensvertreter gemeinsam mit Experten in Workshops pro Branche eine beispielhafte Klimaagenda. Auf insgesamt sieben Regionalkonferenzen werden diese Klimaagenden nun der Öffentlichkeit präsentiert. „Damit gelingt es, das diffuse Thema Klimawandel greifbar zu machen“, fasst Sepp zusammen.

Die Bayerische Zugspitzbahn bereitet sich nicht erst seit der ausgefallenen Skisaison-Eröffnung 2011 darauf vor: Im Skigebiet Garmisch-Classic stehen schon seit einigen Jahren Schneekanonen bereit, die zum Einsatz kommen, sobald es kalt genug ist. „Außerdem sind unsere Seilbahnen aus dem Sommertourismus entstanden“, sagt Vorstand Matthias Stauch. „Um auch weniger sportlichen Wanderern ein hochalpines Bergerlebnis zu ermöglichen, investieren wir in den Ausbau von Attraktionen wie AlpspiX, die Erlebniswelt Garmisch-Classic und die Erlebniswelt Zugspitze.“ Für eine optimale Auslastung ihres Angebots sorgt das Unternehmen damit auch im Sommer - und in den anderen Zeiten, in denen der Schnee auf sich warten lässt.

 

Eva Elisabeth Ernst

 

 

Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 03/2012

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