Wirtschaft 03/2012

Berufsbildungsausschuss - Chancen für lernschwache Azubis

In der neuen Sitzungsperiode wird der IHK - Berufsbildungsausschuss weitere Prüfungsordnungen für die Aus- und Weiterbildung beschließen und hierbei verstärkt auf bundesweit einheitliche Qualitätsstandards achten.

 

Wer Elektroautos bauen will, benötigt Elektrofachkräfte. Seit ungefähr zwei Jahren schult Audi bis zu acht Wochen lang ausgebildete Techniker und Ingenieure im Umgang mit Hybrid- und Brennstoffzellenantrieben. Über 150 Fachkräfte melden sich jährlich für die Prüfungen zur „Elektrofachkraft Fahrzeugtechnik“ an. Die Prüfungsordnung mit Inhalten zu Sicherheitstechnik, Arbeitsschutz sowie Funktions- und Schaltungsanalysen hat der Berufsausbildungsausschuss (BBA) der IHK München beschlossen. „Die IHK-geprüfte Qualifikation schafft eine wichtige Voraussetzung, um die Anforderungen neuer Technologien nicht nur in der Automobilindustrie optimal zu beherrschen“, betont Dieter Omert, Leiter des Audi - Bildungswesens und einer der beiden BBA-Vorsitzenden.

Im breitgefächerten Qualifikationsmarkt genießen IHK-Abschlüsse besonderes Ansehen: Auch deshalb nimmt der BBA im Kreis der über ein Dutzend IHK - Ausschüsse und - Arbeitskreise eine Sonderstellung ein. Als einziges Gremium ist er gesetzlich vorgeschrieben und muss dem Bundesbildungsgesetz (BBiG) zufolge paritätisch aus sechs Unternehmens- und Gewerkschaftsvertretern sowie sechs Berufsschullehrern an berufsbildenden Schulen gebildet werden. Als einziger IHK - Ausschuss darf der BBA Satzungen in Form von Prüfungsordnungen verabschieden. Beispiele der jüngsten Zeit sind die Weiterbildung zum Barmeister, der über das klassische Barmixen hinaus Gäste berät, Gastronomiekonzepte entwickelt und andere organisatorische Aufgaben übernimmt, sowie die Ausbildung zum „Fachpraktiker für personale Dienstleistungen“, der vor allem in Krankenhäusern Patientenpflege und hauswirtschaftliche Tätigkeiten leistet.

Für die neue Sitzungsperiode, welche vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2016 dauert, stehen weitere Prüfungsordnungen an. Im Weiterbildungsmarkt rücken vor allem die Energie- und Medienbranche in den Fokus. Dem IHK-Energiemanager, der mit einem professionellen Energiemanagement Einsparmöglichkeiten im ganzen Unternehmen ermittelt, dürften weitere Qualifikationsangebote folgen. Außerdem werden Prüfungen für Fachpraktiker - Ausbildungen, welche vor allem für behinderte bzw. lernschwache Jugendliche mit nachgewiesenem Förderbedarf entwickelt worden sind, eine wichtige Rolle spielen. Entsprechende Berufe gibt es unter anderem für Bürokommunikation, Holzverarbeitung, Metallbau und Küche (vormals Beikoch). Weil bundesweit fast 1000 Regelungen mit teilweise abweichenden Ausbildungsinhalten und Abschlussbezeichnungen existieren, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn Musterempfehlungen mit einheitlichen Qualitätsstandards entwickelt, deren Übernahme der BBA diskutieren wird. „Für solche Berufe ohne ausgeprägte planerische und organisatorische Aufgaben melden Unternehmen immer wieder Bedarf an“, betont Josef Amann, Leiter der IHK-Abteilung Berufsbildung. „Auf keinen Fall dürfen Jugendliche für die Arbeitslosigkeit ausgebildet werden.“

Solche Aussagen finden ausdrücklich auch die Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder im BBA. Ansonsten wünschen die Vertreter von DGB, Ver.di & Co. mehr Qualitätskontrollen und - sicherungsmaßnahmen, wenn die berufliche Ausbildung im In- und Ausland wirklich gleichwertig mit dem Studium sein soll. Auch in diesem Punkt gibt es Übereinstimmung mit vielen Ausbildungsbetrieben. „Wir müssen Kriterien für einen deutschen bzw. europäischen Qualifikationsrahmen entwickeln, wenn unsere Abschlüsse im Ausland anerkannt werden sollen“, nennt Omert einen weiteren BBA-Schwerpunkt für die kommenden Jahre. In diesem Zusammenhang wünscht mancher Ausbildungsbetrieb eine Diskussion über die Rahmenbedingungen. Vor allem kleineren und mittleren Untenehmen macht Blockunterricht an der Berufschule, welcher die Azubis manchmal wochenlang vom Betrieb fernhält, zu schaffen. „In diesem Zeitraum werden Inhalte der betrieblichen Ausbildung wieder schnell vergessen“, gibt BBA-Mitglied Prof. Frank Wiedenmann (Made in Quality Marketing GmbH) zu bedenken.

 

Stefan Bottler

 

 

Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 03/2012

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