Wirtschaft der Region München befürchtet Talfahrt
Industrie besonders stark vom globalen Abschwung getroffen
In der Region München kühlt sich das Wirtschaftsklima deutlich ab. Die Unternehmen in der bayerischen Landeshauptstadt, im Landkreis München und in den angrenzenden Landkreisen Erding, Freising, Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, Starnberg und Ebersberg beurteilen ihre Geschäftslage und Erwartungen erheblich schlechter als im Sommer. Die Wirtschaft im Münchner Raum ist aber immer noch optimistischer als in anderen Teilen Bayerns. Dies ergab die Herbst-Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).
„Die Münchner Betriebe konnten dem weltweiten Abwärtstrend nicht länger widerstehen und befürchten eine konjunkturelle Talfahrt“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen. Der Index der aktuellen Lage – berechnet als Saldo von positiven und negativen Bewertungen – brach im Herbst gegenüber dem Sommer von 30 auf 21 Punkte (Bayern: 17 Punkte) ein. Der Index der Erwartungen sank im gleichen Zeitraum noch stärker von 19 auf 4 Punkte (Bayern: minus 4). Die Entwicklung sei umso kritischer zu bewerten, als die jüngste Zuspitzung der Finanzmarktkrise in den Umfragedaten nicht mehr berücksichtigt werden konnte, so Driessen.
Der Anteil der Unternehmen mit einer guten Lagebewertung fiel von 40 auf 35 Prozent, der Anteil der unzufriedenen Betriebe stieg von 10 auf 14 Prozent. Noch stärker nach unten korrigierte die Wirtschaft ihre Aussichten für die nächsten 12 Monate. Nur noch 19 statt zuvor 27 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft. Der Anteil der Pessimisten legte deutlich von 8 auf 15 Prozent zu. Im Gegensatz zum gesamtbayerischen Durchschnitt behalten damit die Optimisten in der Münchner Region allerdings noch die Oberhand.
In der Branchenbetrachtung haben die Industriebetriebe ihre Erwartungen am deutlichsten zurückgenommen. Der Saldo aus Optimisten und Pessimisten stürzte seit dem Sommer um 25 Punkte auf minus 1 ab. Die Auftragslage hat sich in den vergangenen Monaten erheblich verschlechtert, insbesondere im Auslandsgeschäft. Hier senken die Münchner Industrieunternehmen ihre Erwartungen stärker als der bayerische Durchschnitt. „Die gravierende Wachstumsschwäche in den wichtigsten Welthandelsregionen strahlt auf die Münchner Wirtschaft mit ihrer hohen Exportorientierung aus“, kommentierte Driessen die Entwicklung. Dagegen schraubte allein der Einzelhandel in der Hoffnung auf ein Umsatzplus im Weihnachtsgeschäft die Erwartungen kräftig nach oben.
Die schlechte Stimmung spiegelt sich auch in der sinkenden Neigung der Unternehmen, Stellen aufzubauen oder zu investieren. Nur noch 19 Prozent der Betriebe – gegenüber 25 Prozent im Sommer – wollen in den nächsten 12 Monaten die Belegschaft vergrößern. Mit Personalabbau rechnen dagegen 15 Prozent. In der Industrie ist der Saldo von Unternehmen mit zunehmenden und abnehmenden Beschäftigungsplänen mit minus 12 Punkten bereits kräftig in den negativen Bereich gerutscht. Der Boom auf dem Arbeitsmarkt im Raum München könnte daher bald zu Ende gehen.
Die Investitionsbereitschaft hat im Herbst ebenfalls nachgelassen. Statt 23 Prozent im Sommer wollen nun lediglich 18 Prozent der Unternehmen die Budgets ausweiten. Dem stehen 23 Prozent der Befragten gegenüber, die ihre Investitionspläne kürzen wollen.
