Guter Start ins neue Jahr
Schuldenkrise bleibt Damoklesschwert für die Wirtschaft
In der bayerischen Wirtschaft herrscht zu Jahresbeginn beste Stimmung. Die Kapazitäten sind voll ausgelastet, obwohl der Boom beim Export und der Inlandsnachfrage in den vergangenen Monaten leicht nachgelassen hat. Die Unternehmen rechnen aber nicht damit, dass das hohe Wachstum auch 2012 anhält. Die schlechteren Konjunkturprognosen vor allem für wichtige europäische Länder bremsen die Exportaussichten. Die Euroschuldenkrise sorgt weiter für Verunsicherung. Entsprechend vorsichtiger investieren die Unternehmen. Dagegen bleiben die Beschäftigungsaussichten günstig. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter rund 3.800 Unternehmen. „2011 war für die bayerische Wirtschaft ein Ausnahmejahr, in dem sie den rezessionsbedingten Produktionsrückstand endgültig aufgeholt hat“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen.
Der BIHK-Konjunkturindex, der Geschäftslage und Geschäftserwartungen in einem Wert zusammenfasst, liegt mit 124 Punkten nur einen Zähler niedriger als im Herbst 2011 und damit weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 107 Punkten.
Zum Jahresbeginn 2012 bewerten 51 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als „gut“ und nur 7 Prozent als „schlecht“. Für das Jahr 2012 sind die Wachstumsaussichten hingegen gedämpft. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist nochmals leicht von 8 auf 7 Punkte zurückgegangen. Vor Jahresfrist lag er noch bei 26 Punkten.
Ihre Investitionspläne haben die Unternehmen bereits im Herbst nach unten angepasst und sie sind bei ihrer Einschätzung geblieben. Nach wie vor wollen 29 Prozent der Unternehmen ihre Budgets aufstocken und 14 Prozent planen Kürzungen.
Die im deutschland- und europaweiten Vergleich sehr gute Lage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt bleibt auch in 2012 stabil. Trotz der etwas getrübten Aussichten wollen 19 Prozent der Unternehmen ihre Belegschaft ausbauen, 71 Prozent die Anzahl ihrer Mitarbeiter konstant halten und lediglich 10 Prozent Personal abbauen.
In der Industrie laufen die Maschinen noch immer auf Hochtouren, auch wenn die Aufträge aus dem In- und Ausland in den vergangenen Monaten nicht mehr so stark angestiegen sind wie zuvor. Aktuell bezeichnen 53 Prozent ihre derzeitige Lage als „gut“ und nur 6 Prozent als „schlecht“. Doch die Industrieunternehmen bleiben vorsichtig. Bereits im Herbst hatten sie ihre Prognose für die kommenden zwölf Monate deutlich gesenkt und der Saldo der Geschäftserwartungen war von 29 auf 5 Punkte eingebrochen. Dabei ist es auch aktuell geblieben. Impulse erwarten sie eher vom Auslands- als vom Inlandsgeschäft. Der Beschäftigungssaldo zeigt mit 8 Punkten jedoch immer noch einen leichten Personalaufbau an.
Die bayerischen Dienstleister sind zu Jahresbeginn sehr zufrieden, denn die meisten verbuchten in den vergangenen sechs Monaten ein Auftragsplus. Nahezu die Hälfte arbeitet mit voller Auslastung. Aber auch die Dienstleistungsunternehmen erwarten einen leichten Dämpfer. Nur noch 25 Prozent glauben, dass das Wachstum 2012 anhält. Allerdings wollen immer noch 21 Prozent der Unternehmen Stellen schaffen, nur 10 Prozent streichen.
Die Bauwirtschaft profitiert derzeit von niedrigen Zinsen für Bauherren. Die geringe Arbeitslosigkeit und damit stabile Einkommen sowie der Wunsch nach einer sicheren Kapitalanlage verschaffen den Unternehmen zusätzlichen Aufwind. Die Auftragsbücher sind dementsprechend gut gefüllt. Auch die Bauwirtschaft ist für 2012 skeptischer als Anfang 2011.
Im Einzelhandel überwiegt zu Jahresbeginn noch die positive Stimmung. Gut jedes fünfte Unternehmen erwartet, dass die Geschäfte 2012 noch besser laufen. Fast jedes dritte Unternehmen hofft, dass die Umsätze steigen. Mit Rückschlägen rechnen die Großhändler. Entgegen allen anderen Branchen sind bei ihnen die Erwartungen sowohl gegenüber Jahresbeginn 2011 als auch gegenüber Herbst 2011 gesunken. Immerhin bleibt auch bei ihnen der Beschäftigungssaldo positiv.
„Insgesamt rechnen die bayerischen Unternehmen eher mit einer Wachstumsdelle als mit einem ausgeprägten Produktionsrückgang,“ so Driessen. Allerdings sei die Staatsschuldenkrise im Euroraum das alles überragende Thema und schwebe wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft. „Diese Situation wird sich auch nicht so schnell ändern“, ist sich der BIHK-Chef sicher.
