Trendwende setzt sich fort
Bilanz für Bayern: 581 unversorgte Bewerber – 7.745 Lehrstellen unbesetzt
Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt in Bayern haben sich gedreht. Der Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte hat sich verstärkt. So standen, rein rechnerisch, jedem gemeldeten Bewerber in Bayern mindestens 1,09 Ausbildungsstellen gegenüber. Nichtsdestotrotz blieben 581 junge Menschen, aufgrund von räumlichen Distanzen oder unterschiedlichen Ausbildungswünschen, bislang unversorgt.
"Die demographische Trendwende ist für bayerische Unternehmen Realität" so BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen. Alte Standardlösungen würden künftig nicht mehr genügen, um wirklich alle Ausbildungspotenziale besser ausschöpfen zu können. "Wir brauchen vielmehr Modelle", so Driessen, "die sich individuell sowohl zeitlich als auch inhaltlich an den Möglichkeiten derjenigen orientieren, die eine Ausbildung absolvieren möchten".
"Ich appelliere zum Einen an die Jugendlichen, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, sich bei den Arbeitsagenturen zu melden. Zum Anderen wünsche ich mir, dass Unternehmen mehr auf die Kenntnisse und Fähigkeiten eines Jugendlichen achten, als auf die Schulnoten. Alle Akteure auf dem Ausbildungsmarkt stehen weiterhin vor der Herausforderung, noch effektiver zusammen zu arbeiten, um keinen Jugendlichen beim Übergang von der Schule in das Berufsleben zu verlieren“, betonte Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern.
„Trotz des doppelten Abiturientenjahrgangs war die Lage auf dem Bayerischen Ausbildungsstellenmarkt dieses Jahr so gut wie schon lange nicht mehr – die Zahl der unversorgten Bewerber ist auch 2011 noch weiter gesunken. Dennoch dürfen wir uns jetzt nicht zurücklehnen. Unser Ziel muss es sein, alle Jugendlichen in Ausbildung zu bringen. Denn jede und jeder verdient eine Chance. Aus diesem Grund haben wir auch 2011 unser Erfolgsprogramm ‚Fit for Work’ wieder aufgelegt. So unterstützen wir mit bis zu 5000 Euro die betriebliche Ausbildung von Jugendlichen ohne Schulabschluss und Hauptschülern aus den Praxisklassen bayerischer Hauptschulen. Wir gehen aber auch neue Wege und unterstützen jetzt auch Jugendlichen mit monatlich 250 Euro, wenn sie bereit sind für ihre Ausbildung in strukturschwächere Regionen Bayerns zu ziehen. Insgesamt 23 Millionen Euro haben wir dieses Jahr für ‚Fit for Work’ bereitgestellt“, so Bayerns Arbeitsstaatssekretär Markus Sackmann.
„Unser Team hat fünf Millionen Profis – und alle kommen aus der eigenen Jugend. So lautet ein Spruch unserer Imagekampagne und wir freuen uns, dass wir diesem Anspruch auch im Berufsberatungsjahr 2010/2011 wieder gerecht werden konnten. Die bayerischen Handwerkskammern haben zum 31. Oktober 2011 gut 30.000 neu abgeschlossene und zur Registrierung vorgelegte Lehrverträge gezählt. Damit liegen wir um fast 1.000 Verträge über dem Niveau des Vorjahres, eine prozentuale Steigerung von 3,2 Prozent. Grund für den erfreulichen Anstieg ist auch die gestiegene Nachfrage nach einer Ausbildung im dualen System. Die jungen Menschen, aber auch wichtige Multiplikatoren wie Eltern und Lehrkräfte, kennen und schätzen wieder vermehrt die Vielzahl unserer Ausbildungsberufe und die Karrierechancen, die das duale Berufsausbildungssystem ermöglicht“, erklärte Gerhard Ketzler, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern.
„Das kontinuierlich hohe Ausbildungsengagement der Unternehmen zeigt eine positive Entwicklung des Ausbildungsmarktes. Allerdings haben die Betriebe zunehmend Schwierigkeiten, ausbildungsfähige Jugendliche zu gewinnen. Deshalb muss verstärkt in die Ausbildungsreife der Jugendlichen investiert werden“, erklärte Dr. Christof Prechtl, Geschäftsführer und Leiter der Abteilung Bildung der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.: „Bereits 2015 werden laut der aktualisierten vbw Studie ‚Arbeitslandschaft 2030’ der bayerischen Wirtschaft 520.000 Fachkräfte fehlen. Aus diesem Grund haben die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber bayme vbm und die vbw ‚Wir für Bayern – Aktionsprogramm Fachkräftesicherung’ gestartet. Eines von zahlreichen Projekten des Programms ist ‚power(me)’. 175 Jugendliche mit schwächeren schulischen Leistungen soll mit Hilfe des Projekts die Chance auf eine erfolgreiche Ausbildung in der M+E-Industrie eröffnet werden“, so Prechtl.
