Breitband-Förderung - Schnelles Internet bis zum letzten Weiler
Ende des Jahres läuft die erfolgreiche bayerische Breitband-Förderung aus. Das Wirtschaftsministerium und die IHK planen bereits weitere Aktivitäten. Zudem eröffnet die superschnelle Funktechnik LTE kleinen Gemeinden und vielen Unternehmen eine neue Perspektive.
Noch vor knapp einem Jahr fühlten sich viele Firmen in der bayerischen Provinz ausgebremst. Zumindest, wenn es um die schnelle Internet-Verbindung ging. Ende 2010 rangierte Bayern im Bundesländervergleich bei Breitbandanschlüssen weit abgeschlagen auf Rang zehn. Das hat sich grundlegend geändert. „Das Förderprogramm hat gegriffen. Die Projekte werden Schritt für Schritt umgesetzt. Sie werden nun nach und nach statistisch wirksam“, freut sich Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil. Die Versorgungsrate läge in Bayern nach neuesten Daten bei 97,6 Prozent. Wenn Ende Jahres die bayerische Breitband-Förderung ausläuft, wird deshalb das Fazit durchweg positiv ausfallen. Zusammen mit den neuen LTE (Long Term Evolution)-Projekten, schnelles Internet per Mobilfunknetz, werde eine Versorgungsquote von rund 99 Prozent erreicht.
Ende September waren 915 Förderanträge für eine Breitband-Erschließung genehmigt worden, 349 Projekte fertig gestellt. Ziel ist eine flächendeckende Versorgung von mindestens 1 Megabit zu erreichen. „Gut die Hälfte der oberbayerischen Gemeinden wird nach Abschluss des Programms von der staatlichen Förderung des Breitbandausbaus profitiert haben“, meint Christoph Hillenbrand, Regierungspräsident von Oberbayern. „Unter den Gemeinden, die im Rahmen des Förderprogramms nicht aktiv geworden sind, befinden sich überwiegend Kommunen, die sich bereits als ausreichend versorgt ansehen oder solche, bei denen das Kundenpotenzial zu gering ist.“
Die bayerische Breitbandinitiative, die maßgeblich vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag mit angestoßen wurde, hatte eine flächendeckende Versorgung von 1 bis 3 Megabit pro Sekunde zum Ziel. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen sogar bis 2014 für 75 Prozent der Haushalte Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stellen. „Die Breitbandinitiative Bayern hat die Situation sehr verbessert, doch nach wie vor gibt es Schwachstellen“, resümiert denn auch Bernhard Kux, Experte für Informationstechnologie der IHK für München und Oberbayern.
Gemeinden können auch ohne Förderung aktiv werden: So ergriff auch der Gemeinderat von Oberhausen bei Neuburg an der Donau die Initiative. Nachdem die Telekom mehr als eine halbe Millionen Baukostenzuschuss wollte, beschloss die Kommune, ein eigenes Glasfasernetz bis ins Haus zu realisieren und schrieb das Projekt aus. „Für die Mitglieder des Gemeinderates stand von Anfang an fest, dass es eine finanzielle Beteiligung nur geben kann, wenn Mitspracherechte verankert, Eigentumsrechte an den Investitionsanlagen gegeben und der Rückfluss der Finanzmittel gewährleistet ist“, erläutert Fridolin Gößl, Oberhausens Bürgermeister. Immerhin ging es um eine Investition von fast vier Millionen Euro. Vor allem die Tiefbauarbeiten für die Verlegung der Leerrohre zehren einen Großteil der Summe auf. Die Gemeinde gründete die „Oberhausen – unser Ortsnetz“ GmbH, die das Netz betreiben sollte. Gleichzeitig gingen dutzende Bürger, so genannte Multiplikatoren, von Haus zu Haus und gewannen über 800 Verträge, gut 75 Prozent aller Haushalte – eine Voraussetzung für den Bau des Glasfasernetzes. Im Juni dieses Jahres gingen die ersten Haushalte ans Netz.
Söchtenau, nördlich von Rosenheim gelegen, wiederum hatte das Glück, einen hohen Bundeszuschuss für die Breitband-Erschließung zu ergattern. „Das DSL-Signal kam im Ort nur schwach mit weniger als 1 Megabit pro Sekunde an“, schildert Ludwig Maier, Geschäftsleiter der Gemeinde, das Problem. Vor allem im südlichen Gemeindebereich, in dem das Gewerbegebiet liegt, wuchsen die Schwierigkeiten. „Manch ein Unternehmer wollte schon wegziehen“, berichtet Maier. Zum Glück erklärte sich ein lokaler Stromversorger bereit, diesen Ortsteil auf eigene Kosten mit Glasfaser bis in Haus zu erschließen und gründete dafür die Firma SternKom. Im Juli konnte die neue DSL-Verbindung mit dem Rosenheimer Kommunikationsunternehmen Komro ans Netz gehen. Parallel dazu suchte Maier nach einer Lösung für den nördlich gelegenen Hauptort. Als er zufällig von einem Wettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums zum Breitbandausbau hörte, bewarb sich der engagierte Geschäftsleiter sofort. Söchtenau hatte Glück. Der Bund fördert nun den Internet-Ausbau auf 50 Megabit pro Sekunde mit 400.000 Euro im Rahmen von Modell-Projekten. Ende kommenden Jahres soll alles fertig sein.
Kleinere Gemeinden und Weiler, für die sich die teuren Erdarbeiten nicht rechnen, finden seit diesem Jahr eine Alternative. Telefónica/O2, Vodafone und Telekom bauen in Bayern die Breitband-Funktechnik LTE auf. Die Vergabe der neuen Frequenzen für das mobile Turbo-Internet wurde an eine Versorgungsverpflichtung geknüpft, die von den drei Anbietern mittlerweile erfüllt wurden: Zunächst mussten Orte mit weniger als 5.000 Einwohnern angebunden werden, im nächsten Schritt folgten dann unterversorgte Regionen zwischen 5.000 und 20.000 Einwohnern. Danach kamen als grundsätzlich versorgt geltende Regionen mit einer Einwohnerzahl von mehr als 20.000 und bis zu 50.000 Einwohnern an die Reihe. Je nach LTE-Standort und Tarif können Betriebe und Bürger damit Bandbreiten von mindesten 3, unter optimalen Bedingungen auch schon einmal 15 bis 50 Megabit pro Sekunde erreichen. So freute sich Landrat Georg Huber im September über die Inbetriebnahme mehrerer LTE-Standorte im Landkreis Mühldorf: „Schnelle Internet-Zugänge sind heute ein Standortfaktor, wer nicht mithält, fällt zurück“, weiß der Politiker.
Mit dem erfolgreichen Ausbau rückt nun die Leistungsfähigkeit der Netze zunehmend in den Fokus. Immer größere Datenmengen werden durch das Netz gejagt. „Insbesondere Unternehmen benötigen in Zukunft noch schnelleres Internet, wenn sie im Zeitalter von Online-Videos, E-Government und E-Business konkurrenzfähig bleiben sollen“, sagt Franziska Neuberger, Internet-Expertin der IHK. „Wo ein Ausbau sich nicht rentiert, sind gemeinsame Anstrengungen der öffentlichen Hand und der Wirtschaft gefragt.“
Das Bayerische Wirtschaftsministerium prüft derzeit „im Rahmen der finanziellen Spielräume die Förderung hochbitratiger Breitbandanschlüsse in Gebieten mit Unternehmen in strukturschwachen Regionen sowie den Aufbau einer Breitbandagentur“. Für diese setzt sich insbesondere die IHK ein. Solch ein Koordinierungszentrum soll künftig den Kommunen Informationen zu LTE, Glasfaser, Leerrohre und Erfahrungen aus anderen Orten vermitteln. Es könnte in technischen und wirtschaftlichen Fragen beraten und bei der Analyse von Betreiber- und Finanzierungsmodellen helfen. „Darüber hinaus würde es eine Schnittstelle zwischen den vielen verschiedenen Akteuren wie Kommunen, Landkreisen, diversen Anbietern, Dienstleistern und Energieversorgern sowie dem Breitbandbüro des Bundes sein“, erläutert Neuberger die Idee.
Ruth Henke
Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern – 1/2012
